Dekarbonisierung und Digitalisierung treiben Wachstumspläne von Andritz

08.10.2026


Der österreichische Anlagenbauer Andritz will seinen Wachstumskurs in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen. Bis 2029 peilt der Konzern einen Jahresumsatz von zehn Milliarden Euro und eine operative Rendite von zehn Prozent an. Die neuen mittelfristigen Ziele wurden am Dienstag auf dem Kapitalmarkttag des Unternehmens vorgestellt. Vorstandschef Joachim Schönbeck zeigte sich zuversichtlich, dass Andritz für diese nächste Etappe gut aufgestellt ist.

Zum Vergleich: Für das Jahr 2026 rechnet das Management mit Erlösen zwischen 8,0 und 8,3 Milliarden Euro. Die vergleichbare operative Rendite, gemessen an der Ebita-Marge, soll dann bei 8,7 bis 9,1 Prozent liegen. Gemessen am oberen Ende dieser Spanne würde Andritz seinen Umsatz bis 2029 damit um bis zu rund zwei Milliarden Euro ausbauen und zugleich die Profitabilität weiter verbessern.

Den künftigen Wachstumspfad will der Konzern auf drei Säulen aufbauen: Dekarbonisierung, Digitalisierung und Kundenservice. Besonders große Chancen sieht Andritz in der globalen Energiewende und dem weltweit steigenden Strombedarf. Das Unternehmen liefert Maschinen, Anlagen und Dienstleistungen unter anderem für die Zellstoff- und Papierindustrie, die Metallindustrie sowie Wasserkraftwerke und ist damit in Sektoren aktiv, die von Investitionen in erneuerbare Energie und industrielle Infrastruktur profitieren sollen.

An seiner bisherigen Strategie will Andritz festhalten. Dazu zählen insbesondere Zukäufe und Übernahmen, mit denen das Portfolio verbreitert und das Servicegeschäft gestärkt werden sollen. Auch die Dividendenpolitik bleibt unverändert: Der Konzern strebt weiterhin eine Ausschüttungsquote von 50 bis 60 Prozent an. Schönbeck betonte, Andritz befasse sich mit den zentralen Themen der Zeit – von der steigenden Nachfrage nach erneuerbarer und elektrischer Energie über die wachsende Kreislaufwirtschaft bis hin zur fortschreitenden Digitalisierung.

Höhere Energiepreise treiben Inflation – Anleger ziehen sich aus Aktien zurück

08.10.2026


Inflationssorgen und steigende Ölpreise haben Europas wichtigste Aktienmärkte zur Wochenmitte spürbar belastet und zugleich die Monatsbilanz eingetrübt. Der EuroStoxx 50 schloss am Mittwoch 0,81 Prozent tiefer bei 6269,02 Punkten. Im Monatsverlauf verlor der Leitindex der Eurozone 2,4 Prozent und beendete damit eine Serie von fünf Anstiegen in Folge. Der DAX gab um 0,79 Prozent auf 25.199,19 Punkte nach, während der britische FTSE moderat um rund ein Viertel Prozent auf gut 10.600 Zähler nachgab.

Treiber der Risikoaversion waren neue Inflationsdaten aus großen Euroländern. In Deutschland kletterten die Verbraucherpreise im September auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit erstmals seit Ende 2023 wieder über die Marke von drei Prozent, nachdem im August noch 2,9 Prozent verzeichnet worden waren. Starke Anstiege der Energiepreise wirkten als Hauptfaktor – eine Entwicklung, die sich nach ersten Angaben auch in Frankreich und Italien widerspiegelt. In Italien kam es zudem zu einem deutlichen Anstieg der Teuerung, was die Sorge nährte, dass der disinflationäre Trend im Euroraum ins Stocken geraten könnte.

Parallel dazu zogen die Ölpreise erneut an. Marktteilnehmer verwiesen auf die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten und mögliche Risiken für die Öllieferungen aus dem Persischen Golf. Berichte, wonach mehrere Tankschiffe in der Straße von Hormuz unter Beschuss geraten sein sollen, verstärkten die Nervosität. Höhere Energiekosten und im Umfeld der Inflationsdaten steigende Anleiherenditen machten Anleger nach Einschätzung von Marktstrategen europaweit selektiver. Ulrich Urbahn, Leiter Multi-Asset-Strategie und Research bei Berenberg, sieht dennoch Chancen für eine Jahresendrallye: Robuste Unternehmensgewinne könnten die Märkte stützen, sofern Firmen ihre Margen und Prognosen behaupten und sowohl Inflation als auch Renditen nicht weiter zulegen.

Im Branchenspektrum fehlten klare Impulse von den Technologiewerten, die nach Vortagesgewinnen überwiegend richtungslos tendierten. Viele Investoren warteten auf die anstehenden Quartalszahlen des US-Speicherchip-Herstellers Micron, die als Gradmesser gelten, ob der Boom rund um Künstliche Intelligenz weiterhin ausreichend im operativen Geschäft der Halbleiterbranche ankommt. Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets warnte, eine Enttäuschung bei Micron könne die zuletzt gewachsene Skepsis gegenüber dem KI-Sektor rasch in neuen Verkaufsdruck umschlagen lassen. Einzelwerte wie BMW im DAX konnten sich diesem Umfeld zwar mit Kursgewinnen entziehen, insgesamt dominierte an den europäischen Börsen jedoch zum Monatsende die Vorsicht.