
Die Entspannung an den Energiemärkten nach der Waffenruhe im Iran-Krieg hat am Mittwoch eine deutliche Korrektur bei deutschen Bioethanol-Werten ausgelöst. Aktien von Verbio sackten um mehr als 13 Prozent ab und führten damit die Verliererliste im SDax an. Papiere von Südzucker gaben um über 4 Prozent nach. Beide Titel hatten in den vergangenen Wochen stark von kriegsbedingt gestiegenen Öl- und Gaspreisen profitiert, die alternative Treibstoffe in den Fokus vieler Investoren gerückt hatten.
Mit dem Rückgang der Öl- und Gaspreise schwand nun ein wesentlicher Kurstreiber. Marktteilnehmer sprechen von klaren Gewinnmitnahmen nach einer zuvor außergewöhnlich starken Rally. Bei Verbio hatten die Aktien seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten zeitweise mehr als 70 Prozent zugelegt und damit ein Drei-Jahres-Hoch erreicht. Südzucker war Ende März innerhalb von nur sechs Handelstagen um bis zu 37 Prozent nach oben geschnellt, begünstigt auch durch eine positive Studie der Barclays Bank.
Analysten verweisen darauf, dass der jüngste Aufschwung der beiden Papiere maßgeblich von steigenden Ethanolpreisen getragen war. Die geopolitisch bedingte Verteuerung von Öl und Gas hatte die Wettbewerbsfähigkeit von Bioethanol und Biosprit erhöht und entsprechende Anbieter an der Börse in den Vordergrund gerückt. Bei Südzucker kam zusätzlich eine kräftige Erholung der Zuckerpreise als stützender Faktor hinzu, während die Konzerntochter Cropenergies ähnlich wie Verbio in großem Umfang Bioethanol produziert.
Mit der nun eingetretenen Entspannung an den Energiemärkten zeigt sich, wie sensibel die Bewertung von Bioenergie-Unternehmen auf Veränderungen bei Rohstoffpreisen und geopolitischen Rahmenbedingungen reagiert. Die jüngste Schwächephase könnte aus Sicht von Portfolio-Managern eine Neubewertung des Sektors einleiten, nachdem die Papiere von Verbio und Südzucker in kurzer Zeit einen Großteil des positiven Umfelds eingepreist hatten. Ob die Korrektur eine Zwischenstation in einem längerfristigen Trend bleibt oder den Beginn eines nachhaltig ruhigeren Kursverlaufs markiert, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Energiepreise und der geopolitischen Lage ab.

Die frühere Assistenz-Firma Goldair AAS am Flughafen Zürich sieht sich einer Welle von Klagen ehemaliger Angestellter gegenüber. Mehrere Verfahren sind bereits beim Bezirksgericht Bülach hängig, wie der Regionalsekretär des VPOD Luftverkehr, Stefan Brülisauer, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte. Der Gewerkschaft zufolge dürfte sich die Zahl der klagenden Ex-Mitarbeitenden auf über 100 belaufen.
Im Kern der Auseinandersetzung stehen laut VPOD ausstehende Zahlungen in erheblicher Höhe. Die Gewerkschaft spricht von insgesamt rund 2 Millionen Franken, die frühere Beschäftigte von Goldair AAS nachfordern. Einzelne Klagen belaufen sich demnach auf bis zu 40'000 Franken pro Person. Beanstandet werden insbesondere nicht ausgerichtete Ferienentschädigungen während des Urlaubs sowie eine vertraglich zugesicherte, bezahlte Pause von 30 Minuten, die nicht als Arbeitszeit erfasst worden sein soll.
Goldair AAS war bis 2024 am Flughafen Zürich tätig und bot dort Betreuungsdienste für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität an. Die rund 120 Mitarbeitenden dieses Bereichs wurden Anfang 2025 vom Flughafen übernommen und sind seither direkt beim Flughafen beschäftigt. Goldair AAS selbst war ein Joint Venture zweier Firmen und agierte am Standort Zürich zudem als Bodenabfertiger für Fluggesellschaften wie Chair, Air Serbia, Eurowings, Pegasus, Lot und GP Aviation. Im vergangenen Sommer hatte das Unternehmen bereits wegen der angekündigten Schliessung der Zürcher Station in einem anderen Fall im Fokus gestanden: Nach einem Warnstreik gewährte der Bodendienstleister einen Sozialplan, hielt aber an der Schliessung fest.
Die neuen Klagen sorgen nun auch an den Finanzmärkten für Aufmerksamkeit. Die Titel der Flughafen Zürich AG gaben im Handel an der SIX zwischenzeitlich um 1,92 Prozent auf 245,60 Franken nach. Der operative Assistenzdienst für mobilitätseingeschränkte Reisende liegt mittlerweile vollständig beim Flughafen, die rechtliche Auseinandersetzung richtet sich jedoch gegen den früheren Dienstleister Goldair AAS. Wie rasch das Bezirksgericht Bülach die zahlreichen Verfahren bearbeiten wird und ob es zu Vergleichen kommt, ist offen.