Neuer Hoffnungsträger in der CLL-Therapie: Roche vereinbart Milliardenpartnerschaft mit Nurix

10.06.2026


Roche verstärkt seine Pipeline in der Onkologie mit einem milliardenschweren Lizenz- und Entwicklungspakt. Der Schweizer Pharmakonzern sichert sich gemeinsam mit Nurix Therapeutics die Rechte an Bexobrutideg, einem Wirkstoffkandidaten gegen Blutkrebs. Für die Zusammenarbeit zahlt Roche dem US-Unternehmen zunächst eine Vorabprämie von 700 Millionen Dollar in bar. Erreichen die Partner definierte Entwicklungs-, Zulassungs- und Umsatzziele, kann das Gesamtvolumen der Vereinbarung auf bis zu 2,3 Milliarden Dollar anwachsen. Die Transaktion soll nach Unternehmensangaben im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden.

Im Zentrum der Kooperation steht Bexobrutideg, ein oral verfügbarer Wirkstoff aus der Klasse der sogenannten BTK-Degrader (Bruton-Tyrosinkinase-Degrader). Das Mittel soll im Sommer in die entscheidende Phase-III-Studie zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) eintreten. Bexobrutideg verfolgt einen anderen therapeutischen Ansatz als etablierte BTK-Hemmer: Statt die Aktivität des BTK-Proteins lediglich zu blockieren, soll der Kandidat dieses gezielt abbauen. Damit zielen Roche und Nurix auch auf Patientengruppen ab, deren Erkrankung Resistenzen gegen bestehende Standardtherapien entwickelt hat.

Roche und Nurix planen, Bexobrutideg über die CLL hinaus in weiteren Indikationen zu testen. Geplant sind zusätzliche Studien bei anderen bösartigen Erkrankungen des B-Zell-Systems. Darüber hinaus sehen die Unternehmen Einsatzpotenzial in der Immunologie und Neurologie, etwa bei Multipler Sklerose und chronischer spontaner Urtikaria. Nach Angaben der Partner gehört Bexobrutideg zu einer neuen Generation von Medikamenten, die krankheitsverursachende Proteine gezielt abbauen und damit ein breiteres Wirkspektrum eröffnen sollen.

Finanziell und operativ teilen sich Roche und Nurix die Lasten und Chancen des Programms. Die Entwicklungskosten werden im Verhältnis 60 zu 40 zugunsten von Roche getragen. In den Vereinigten Staaten wollen die Unternehmen Bexobrutideg gemeinsam vermarkten und Gewinne wie Verluste aus dem US-Geschäft jeweils zur Hälfte teilen. Außerhalb der USA übernimmt Roche den Vertrieb in eigener Regie, während Nurix Anspruch auf Lizenzzahlungen erhält. Nurix-Chef Arthur Sands bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Meilenstein, der es dem Unternehmen ermögliche, das Potenzial von Bexobrutideg in Onkologie, Immunologie und Neurologie auszuschöpfen.

Höhere Energiepreise treiben Inflation – Anleger ziehen sich aus Aktien zurück

08.10.2026


Inflationssorgen und steigende Ölpreise haben Europas wichtigste Aktienmärkte zur Wochenmitte spürbar belastet und zugleich die Monatsbilanz eingetrübt. Der EuroStoxx 50 schloss am Mittwoch 0,81 Prozent tiefer bei 6269,02 Punkten. Im Monatsverlauf verlor der Leitindex der Eurozone 2,4 Prozent und beendete damit eine Serie von fünf Anstiegen in Folge. Der DAX gab um 0,79 Prozent auf 25.199,19 Punkte nach, während der britische FTSE moderat um rund ein Viertel Prozent auf gut 10.600 Zähler nachgab.

Treiber der Risikoaversion waren neue Inflationsdaten aus großen Euroländern. In Deutschland kletterten die Verbraucherpreise im September auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit erstmals seit Ende 2023 wieder über die Marke von drei Prozent, nachdem im August noch 2,9 Prozent verzeichnet worden waren. Starke Anstiege der Energiepreise wirkten als Hauptfaktor – eine Entwicklung, die sich nach ersten Angaben auch in Frankreich und Italien widerspiegelt. In Italien kam es zudem zu einem deutlichen Anstieg der Teuerung, was die Sorge nährte, dass der disinflationäre Trend im Euroraum ins Stocken geraten könnte.

Parallel dazu zogen die Ölpreise erneut an. Marktteilnehmer verwiesen auf die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten und mögliche Risiken für die Öllieferungen aus dem Persischen Golf. Berichte, wonach mehrere Tankschiffe in der Straße von Hormuz unter Beschuss geraten sein sollen, verstärkten die Nervosität. Höhere Energiekosten und im Umfeld der Inflationsdaten steigende Anleiherenditen machten Anleger nach Einschätzung von Marktstrategen europaweit selektiver. Ulrich Urbahn, Leiter Multi-Asset-Strategie und Research bei Berenberg, sieht dennoch Chancen für eine Jahresendrallye: Robuste Unternehmensgewinne könnten die Märkte stützen, sofern Firmen ihre Margen und Prognosen behaupten und sowohl Inflation als auch Renditen nicht weiter zulegen.

Im Branchenspektrum fehlten klare Impulse von den Technologiewerten, die nach Vortagesgewinnen überwiegend richtungslos tendierten. Viele Investoren warteten auf die anstehenden Quartalszahlen des US-Speicherchip-Herstellers Micron, die als Gradmesser gelten, ob der Boom rund um Künstliche Intelligenz weiterhin ausreichend im operativen Geschäft der Halbleiterbranche ankommt. Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets warnte, eine Enttäuschung bei Micron könne die zuletzt gewachsene Skepsis gegenüber dem KI-Sektor rasch in neuen Verkaufsdruck umschlagen lassen. Einzelwerte wie BMW im DAX konnten sich diesem Umfeld zwar mit Kursgewinnen entziehen, insgesamt dominierte an den europäischen Börsen jedoch zum Monatsende die Vorsicht.