
Der frühere SP-Nationalrat und langjährige Preisüberwacher Rudolf Strahm geht mit seiner Partei in der Migrationspolitik ungewohnt scharf ins Gericht. Ausgelöst wird die jüngste Auseinandersetzung durch die sogenannte 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP, über die im Juni abgestimmt wird. Strahm teilt zwar die offizielle Ablehnung der Vorlage durch die SP, kritisiert jedoch den Umgang damit als planlos und taktisch ungeschickt. Die Partei habe «kein Konzept», wie sie der Initiative begegnen solle, und beschränke sich auf ein «blankes Nein», sagte er in mehreren Interviews.
Besonders stört Strahm, dass die Sozialdemokraten ihre Ablehnung nicht an konkrete Bedingungen geknüpft haben. Aus seiner Sicht hätte die SP die Gelegenheit nutzen müssen, um Massnahmen gegen Wohnungsnot, zur besseren beruflichen Integration von Migranten oder zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Pflege durchzusetzen. Stattdessen verlaufe der Abstimmungskampf mit «populistischer Rhetorik» und «rhetorischen Tiefflügen», ohne dass tragfähige Lösungen präsentiert würden. Damit politisiere die Partei «am Volk vorbei» und ignoriere die Sorgen weiter Teile der Bevölkerung, auch weit ins linke Lager hinein, die sich wegen der hohen Zuwanderung mindestens besorgt zeigten.
Strahm verknüpft seine Kritik eng mit den sozialen Folgen der starken Zuwanderung. Die hohen Nettozuzüge überforderten die Gesellschaft und verschärften Probleme auf dem Wohnungsmarkt sowie bei den Lebenshaltungskosten. Nach seiner Analyse haben insbesondere die unteren 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung in den vergangenen zehn Jahren an Kaufkraft verloren, weil Mieten, Krankenkassenprämien und Verkehrskosten deutlich stärker gestiegen seien als die allgemeine Teuerung. Dies hänge «auch mit der Zuwanderung zusammen». Wer Wachstum nur über das Bruttoinlandprodukt messe, betreibe «Vulgärökonomie», so Strahm; entscheidend sei das Wachstum pro Kopf und dessen Verteilung.
Die SP, einst klar als Partei der Arbeiterschaft positioniert, verfehle es laut Strahm, diese sozialen Spannungen offen zu thematisieren. Sie schweige zu den Ängsten und verdränge die Auswirkungen der Zuwanderung auf Wohnen, Löhne und Alltagskosten. Damit überlasse sie die entsprechenden Fragen der SVP. Strahm geht so weit zu sagen, heute sei nicht mehr die SP, sondern die SVP die Partei der Arbeiter – nicht, weil diese besonders viel für die unteren Einkommensschichten tue, sondern weil sie ihnen eine Identität anbiete. Die jüngste Kritik fügt sich ein in eine längere Reihe von Differenzen zwischen Strahm und der Parteilinie in europäischer Integrations- und Migrationspolitik, die ihn seit den 1990er-Jahren zu einem der profiliertesten internen Widersacher der offiziellen SP-Positionen auf diesem Feld gemacht haben.

Die Aktie der Porsche AG hat sich am Dienstagmorgen trotz zurückhaltender Analystenkommentare freundlich gezeigt. Auf der Handelsplattform Tradegate notierte das Papier um 08:45 Uhr mit 42,35 Euro und damit 1,32 Prozent im Plus. Im Vorfeld der anstehenden Quartalszahlen haben mehrere Investmenthäuser ihre Einstufungen und Kursziele bestätigt – allerdings mit deutlich unterschiedlicher Tonlage.
Das Analysehaus Jefferies bleibt bei seiner neutralen Haltung und stuft die Vorzugsaktien der Porsche AG weiter mit "Hold" ein. Das Kursziel liegt unverändert bei 41 Euro. Die jüngste Analysten-Telefonkonferenz im Vorfeld der Zahlen habe "keine Überraschungen" geliefert, schrieb Analyst Philippe Houchois. Hinweise auf eine Änderung der grundsätzlichen Einschätzung oder auf neue, marktrelevante Informationen ergaben sich demnach nicht.
Deutlich vorsichtiger positioniert sich die britische Investmentbank Barclays. Sie bestätigt die Einstufung "Underweight" mit einem Kursziel von 40 Euro. Analyst Henning Cosman verweist in seinem Ausblick auf die bereits veröffentlichten Absatzzahlen. Vor diesem Hintergrund erwartet er, dass der Umsatz im ersten Quartal weniger stark zurückgehen dürfte als die Großhandelserlöse. Zugleich rechnet er jedoch damit, dass die Ebit- und Free-Cashflow-Margen jeweils am oberen Ende der für 2026 ausgegebenen Zielspannen liegen werden – ein Hinweis darauf, dass Profitabilität und Cash-Generierung aus Analystensicht intakt bleiben könnten, auch wenn das Volumen unter Druck steht.
Die unterschiedlichen Einschätzungen spiegeln die gemischte Erwartungshaltung des Marktes wider: Während Jefferies angesichts eines aus Analystensicht weitgehend erwartungsgemäßen Nachrichtenflusses auf eine abwartende Haltung setzt, beurteilt Barclays das Chance-Risiko-Verhältnis der Aktie zurückhaltender. Dass der Kurs sich dennoch oberhalb beider Kursziele hält und zuletzt zulegen konnte, deutet darauf hin, dass ein Teil der Investoren auf robuste Margen und eine mögliche positive Überraschung bei den anstehenden Zahlen setzt – auch wenn die professionellen Beobachter vorerst überwiegend auf Vorsicht und selektives Engagement pochen.