CIGRE 2026: Aufbau von Stromnetzen für ein neues Zeitalter der Elektrifizierung

02.09.2026

Die Welt steht vor einem neuen Zeitalter der Elektrizität, und der Wettlauf um den Aufbau der Stromnetze, die dieses Zeitalter mit Energie versorgen sollen, hat begonnen. Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, sich das Stromnetz der Zukunft vorzustellen. Es geht darum, dies zügig, in großem Maßstab und durch koordiniertes Handeln entlang der gesamten Stromwertschöpfungskette umzusetzen.

Dies war die Kernbotschaft der CIGRE-Tagung 2026 in Paris, zu der mehr als 15.000 Experten aus 100 Ländern sowie 330 Aussteller zusammenkamen. 

Eine unverzichtbare Investition in das Stromnetz in Höhe von 600 Mrd. Euro pro Jahr

PARIS, 2. September 2026 /PRNewswire/ -- Die Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Gebäuden, die Einbindung erneuerbarer Energien und der rasante Anstieg der Nachfrage nach Rechenzentren bringen die Stromversorgungssysteme an ihre Grenzen. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, müssen nach Schätzungen der IEA die jährlichen Investitionen in das Stromnetz um rund 50 % steigen – von derzeit etwa 400 Milliarden US-Dollar auf rund 600 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2030.

Dennoch stellen die Lieferzeiten nach wie vor einen erheblichen Engpass dar. In China kann eine Höchstspannungsleitung in etwa 1,5 Jahren genehmigt und gebaut werden; in Indien dauert dies etwa drei Jahre. In Europa und den Vereinigten Staaten dauern ähnliche Projekte oft acht bis zehn Jahre oder länger (Quelle: IEA).

Ein Netz für die Energiewende

Die Energiewende wird nur dann gelingen, wenn das Netz der Zukunft als ein integriertes System aufgebaut, betrieben und gesteuert wird.

Dieser „One Grid"-Ansatz erfordert, dass alle Beteiligten bereits ab den frühesten Phasen der Infrastrukturplanung und -umsetzung zusammenarbeiten:

  • Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber müssen den Netzausbau und den Netzbetrieb aufeinander abstimmen.
  • Versorgungsunternehmen, Hersteller und Technologieanbieter müssen ihre Ausrüstung, ihre Innovationskraft und ihre industriellen Kapazitäten ausbauen.
  • Regulierungsbehörden und öffentliche Stellen müssen stabile Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen ermöglichen und gleichzeitig die Erschwinglichkeit sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung gewährleisten.

„Kein Plan B, kein Planet B", sagte Konstantin O. Papailiou, Präsident von CIGRE, und forderte gemeinsames Handeln beim Aufbau der Stromversorgungssysteme der Zukunft. 

Keine Elektrifizierung ohne Fachkräfte

Infrastruktur und Kapital allein reichen nicht aus. Die Branche sieht sich zudem mit einem zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert, wobei ein starker Wettbewerb um Ingenieure, Techniker und Digitalspezialisten herrscht. Die Gewinnung und Ausbildung qualifizierter Fachkräfte ist mittlerweile entscheidend dafür, die Elektrifizierung termingerecht umzusetzen.

Weltweit sind rund acht Millionen Menschen im Bau, in der Instandhaltung und im Betrieb von Stromnetzen beschäftigt, doch die IEA schätzt, dass die Branche bis 2030 weitere 1,5 Millionen Arbeitskräfte benötigen wird.

Das CIGRE befasst sich mit diesem Thema im Rahmen seiner technischen Arbeitsgruppen und des CIGRE-Fonds für Innovation und Bildung, der weltweit Forschung, Stipendien und Fortbildungen fördert.

Gemeinsam die Zukunft gestalten

Im Rahmen der FIERE-Veranstaltung (Filière Industrielle des Entreprises des Réseaux Électriques) besuchte der französische Industrieminister Martin die CIGRE-Ausstellung. Der Minister hob die Bedeutung der Zusammenarbeit bei der Umsetzung der aktuellen Elektrifizierungswelle hervor und erinnerte daran, dass die erste CIGRE-Konferenz 1921 in Paris stattfand.

Mehr als ein Jahrhundert später bringt CIGRE nach wie vor die gesamte Elektrizitätsbranche zusammen, um gemeinsame gesellschaftliche, industrielle und ökologische Herausforderungen anzugehen.

Während die Welt in ein neues Zeitalter der Elektrizität eintritt, drängt sich eine Schlussfolgerung besonders auf: Ein Netz, eine Branche, eine Herausforderung – und eine gemeinsame Verantwortung für den Aufbau des Stromnetzes, das die Energiewende ermöglichen wird.

Über CIGRE

CIGRE ist eine gemeinnützige und unabhängige internationale Organisation, die vor 100 Jahren gegründet wurde, um die Entwicklung der Elektrizitätswirtschaft zu fördern. Mit 25.000 Mitgliedern in über 140 Ländern, die lokales Fachwissen mit einer globalen Perspektive verbinden, vereint die CIGRE-Gemeinschaft alle Akteure der Stromwertschöpfungskette.

Es bringt Forscher, Ingenieure, Zulieferer, Regulierungsbehörden und andere Entscheidungsträger zusammen, die sich alle dafür einsetzen, Wissen auszutauschen und zusammenzuarbeiten, um eine zuverlässige, bezahlbare und nachhaltige Stromversorgung für alle zu gewährleisten.

Durch den Zugang zu Arbeitsgruppen, hochaktuellen Fachpublikationen und hochkarätigen Veranstaltungen wie der Paris-Tagung unterstützt CIGRE seine Mitglieder dabei, ihr Fachwissen zu festigen, praktische Empfehlungen zu erarbeiten und innovative Lösungen zu finden.

Im Laufe der Jahre hat sich CIGRE kontinuierlich an das unglaubliche Wachstum des Stromsektors angepasst. Da Strom heute jeden Bereich des Lebens durchdringt (Haushalte, Mobilität, Gesundheitswesen, Industrie …), stellt sich das CIGRE den aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen und positioniert sich als wichtiger Wegbereiter der Energiewende.

Weitere Informationen finden Sie auf: CIGRE-Pressemappe / Fotos von der Veranstaltung / CIGRE 2026-Video

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Zürcher Handelsgericht weist Grossteil von Palantirs Gegendarstellungs-Klage ab

15.06.2026

Der US-Datenkonzern Palantir hat in der Schweiz eine deutliche juristische Niederlage erlitten. Das Handelsgericht Zürich wies 22 von 23 beanstandeten Passagen in zwei kritischen Artikeln des Online-Magazins «Republik» zurück. Lediglich eine einzelne Formulierung muss die Redaktion korrigieren. Palantir und seine Schweizer Tochtergesellschaft wollten gerichtlich durchsetzen, dass umfangreiche Gegendarstellungen publiziert werden; dieses Anliegen ist nun weitgehend gescheitert. Nach dem Urteil muss der Konzern zudem den überwiegenden Teil der Verfahrenskosten tragen.

Ausgangspunkt des Rechtsstreits waren Recherchen, die im Dezember 2025 nach rund einjähriger Arbeit erschienen. Das Projekt von «Republik» und dem Recherchekollektiv WAV beleuchtete, wie Palantir über mehrere Jahre versucht hatte, bei Bundesstellen und dem Schweizer Militär Aufträge zu erhalten – ohne Erfolg. Die Journalisten werteten dazu Dutzende Gesuche nach dem Öffentlichkeitsgesetz sowie interne Unterlagen aus und kamen zum Befund, dass das Unternehmen trotz einer mehrjährigen Präsenz in der Schweiz keinen einzigen Regierungsauftrag gewinnen konnte. Diese Erzählung eines «Scheiterns» auf dem Schweizer Markt war nach Darstellung der beteiligten Reporter Auslöser für Palantirs juristische Offensive.

Die Redaktion hatte dem Unternehmen nach eigenen Angaben vor Veröffentlichung ausführliche Fragen geschickt und Führungskräfte interviewt. Palantir verlangte darüber hinaus eine detaillierte, punktweise Replik im Magazin, die über den Umfang der ursprünglichen Recherche hinausgegangen wäre. Als «Republik» dies ablehnte, reichte der Konzern Klage ein. Das Zürcher Handelsgericht stellte nun klar, dass nur eine von 23 umstrittenen Passagen eine Gegendarstellung erfordert. Damit bestätigt das Urteil, dass der Großteil der Berichterstattung über Palantirs vergebliche Akquisitionsversuche bei Schweizer Behörden auf einer zulässigen Auswertung amtlicher Dokumente beruht.

Palantir ist international vor allem durch den Einsatz seiner Software in militärischen und nachrichtendienstlichen Kontexten bekannt. Seit 2022 stellt das Unternehmen Plattformen zur Verfügung, die ukrainische Behörden und Streitkräfte bei der Auswertung von Lagebildern, der Zielidentifikation und der Logistik unterstützen. Die Systeme werden außerdem von US-amerikanischen und verbündeten Diensten im Nahen Osten genutzt, um iranische Aktivitäten etwa in Raketenprogrammen, beim Einsatz von Drohnen oder in Cyberoperationen zu analysieren. Direkte Geschäftsbeziehungen mit dem Iran bestehen nach Unternehmensangaben aufgrund von US-Sanktionen nicht. Das Zürcher Urteil könnte über die Schweiz hinaus Signalwirkung haben, nachdem die Recherche bereits in anderen europäischen Staaten Debatten über Nutzen und Notwendigkeit der Palantir-Technologie im staatlichen Bereich angestoßen hatte.