
Novartis schärft sein Profil als fokussierter Pharmakonzern mit Schwerpunkt auf margenstarken, innovativen Therapien. Der Schweizer Konzern hat den experimentellen Wirkstoff SNV4818 von Synnovation Therapeutics übernommen und zugleich ein neues milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm angekündigt, das von März 2026 bis 2029 laufen soll. Beide Schritte sollen die Marktposition in einem von Volatilität geprägten Umfeld festigen und das Wachstum im Kerngeschäft Onkologie untermauern.
Mit der Übernahme von SNV4818 vertieft Novartis seine Präsenz im Bereich hormonrezeptor-positiver, HER2-negativer (HR+/HER2-) Brustkrebserkrankungen. Der pan-mutant-selektive PI3Kα-Inhibitor befindet sich in Phase‑1/2‑Studien und zielt auf Tumore, die durch Mutationen im PIK3CA‑Gen angetrieben werden. Solche genetischen Veränderungen sind bei einem erheblichen Anteil der HR+/HER2--Patientinnen zu beobachten. Während Novartis mit Piqray bereits ein zugelassenes Medikament gegen entsprechende Mutationen im Portfolio hat, soll SNV4818 durch eine selektivere Hemmung vor allem die mutierten Formen von PI3Kα adressieren und die Wildtyp-Variante weitgehend schonen.
Hinter dieser Strategie steht der Versuch, Wirksamkeit und Verträglichkeit besser auszubalancieren. Bei derzeit verfügbaren PI3Kα-Hemmern sind Nebenwirkungen wie Hyperglykämie, Hautausschläge und gastrointestinale Beschwerden ein limitierender Faktor für die Therapieadhärenz. Nach Angaben von Synnovation soll SNV4818 eine konsistentere Dosierung ermöglichen, indem es gezielter auf die mutierten Enzymformen abzielt. Branchenbeobachter sehen darin eine logische Fortsetzung der Onkologie-Strategie von Novartis, die sich auf klar definierte Patientengruppen mit hohem ungedecktem Bedarf konzentriert und auf einen möglichen Marktstart des Wirkstoffs um 2030/31 zielt.
Parallel zur Pipeline-Erweiterung setzt Novartis mit dem angekündigten Aktienrückkauf ein starkes Signal an den Kapitalmarkt. Das Programm folgt auf ein robustes Geschäftsjahr 2025 mit soliden Margen und Umsatzwachstum sowie auf die Abspaltung des Generika-Geschäfts Sandoz im Jahr 2023, die den Konzern konsequent auf hochmargige Originalpräparate ausgerichtet hat. Analysten werten den Buyback als defensiven Schritt zur Sicherung der Kapitalrückführung und als Ausdruck des Vertrauens des Managements in die eigene Ertragskraft. Für Investoren, insbesondere in der DACH-Region, verbindet die Kombination aus wachstumsorientierter Onkologie-Pipeline und planbarer Rückführung überschüssigen Kapitals Stabilität mit weiterem Upside-Potenzial.

Beim Winterthurer Textilmaschinenhersteller Rieter kommt es zu einem abrupten Führungswechsel. CEO und Verwaltungsratspräsident Thomas Oetterli gibt beide Ämter per Ende Oktober ab. An die Spitze der Geschäftsführung rückt Anfang November der Branchenkenner Daniel Lippuner, während Carl Illi mit sofortiger Wirkung das Präsidium des Verwaltungsrats übernimmt. Rieter begründet den Schritt damit, dass nach der Umsetzung zentraler strategischer Projekte nun der Zeitpunkt gekommen sei, die Verantwortung in neue Hände zu legen.
Lippuner gilt als ausgewiesener Experte für Spinnmaschinen, Garnverarbeitung und Textilkomponenten. Er leitete früher den Textilmaschinenhersteller Saurer und zuvor den Bereich Oerlikon Textile Components. Zudem ist er Verwaltungsratspräsident und Miteigentümer von Heberlein Technology und damit weiterhin eng in der Chemiefaserindustrie verankert. Illi gehört dem Rieter-Verwaltungsrat seit 2017 an und wird vom Unternehmen ebenfalls als Textilexperte charakterisiert. Er soll das Präsidium mindestens bis zur nächsten Generalversammlung führen.
Oetterli, Jahrgang 1969 und früher Chef des Lift- und Rolltreppenherstellers Schindler, war im März 2023 zu Rieter geholt worden, um den bereits damals kriselnden Maschinenbauer zu stabilisieren. Noch im selben Jahr lancierte er das Performance-Programm «Next Level», das ein massives Kostensenkungs- und Restrukturierungspaket umfasst. Der Plan sah unter anderem vor, bis 2025 rund 1400 Vollzeitstellen vorwiegend in Deutschland, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern abzubauen und Standorte zu konsolidieren. Parallel dazu übernahm Rieter im Februar die Textilmaschinensparte Barmag von OC Oerlikon, was mit einem deutlichen Anstieg der Verschuldung einherging.
Trotz dieser einschneidenden Massnahmen blieb die erhoffte Trendwende aus. Die Amtszeit Oetterlis war von einem ausserordentlich schwachen Marktumfeld mit anhaltender Nachfrageschwäche geprägt. 2024 hatte er zusätzlich das Präsidium des Verwaltungsrats übernommen – ein Doppelmandat, das den Aktionären ursprünglich als Übergangslösung zur konsequenten Umsetzung von «Next Level» verkauft worden war. Grösster Anteilseigner bei Rieter ist der Schweizer Industrielle Peter Spuhler mit einem Anteil von 33,1 Prozent; er sitzt ebenfalls im Verwaltungsrat. Der Führungswechsel in Winterthur folgt zeitlich auf eine ebenfalls angekündigte Neubesetzung an der Spitze von Stadler Rail, einem weiteren Unternehmen, an dem Spuhler die Kontrolle hält.