Machtkampf in Rheinland-Pfalz: Münzenmaier greift nach dem AfD-Landesvorsitz

11.06.2026


In der rheinland-pfälzischen AfD zeichnet sich knapp drei Wochen vor dem Landesparteitag ein Machtwechsel ab. Sebastian Münzenmaier, stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion und bisheriger Vizechef des Landesverbands, will neuer Landesvorsitzender werden. Aus AfD-Kreisen wurde dem SWR die anstehende Kandidatur des 36-Jährigen bestätigt, zuvor hatte bereits die Deutsche Presse-Agentur darüber berichtet.

Die AfD war bei der jüngsten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz deutlich gestärkt aus der Abstimmung hervorgegangen. Dennoch kam es kurz nach dem Wahltag zu einem Einschnitt an der Landtagsspitze: Der amtierende Landes- und damalige Fraktionsvorsitzende Jan Bollinger wurde drei Tage nach dem Erfolg überraschend als Chef der Landtagsfraktion abgewählt. Seither führt Michael Büge die Fraktion. Ob Bollinger beim Landesparteitag in Bingen am 27. Juni erneut für den Landesvorsitz antritt, ist weiterhin offen.

Münzenmaier, der als einflussreichster Vertreter der rheinland-pfälzischen AfD in der Bundespartei gilt, verbindet seine Kandidatur mit einem klar formulierten Machtanspruch. „Wir wollen aus der Opposition an die Regierung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. In der Landtagsfraktion seien dafür bereits die „Weichen gestellt“, nun solle der Landesverband „inhaltlich, strategisch und personell weiter professionalisiert“ werden. Ziel sei es, bei der nächsten Wahl „klar um Platz 1“ mitzuspielen; bis spätestens zum Wahljahr 2029 solle es in Rheinland-Pfalz überall „starke blaue Bastionen“ geben.

Innerhalb der Partei in Rheinland-Pfalz gilt Münzenmaier schon länger als prägende Figur. Der Versicherungs- und Finanzanlagenfachmann ist in der Bundes-AfD gut vernetzt und wird als enger Vertrauter der Bundesparteichefin Alice Weidel beschrieben. Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel ordnet ihn dem völkischen Flügel der AfD zu. Münzenmaier gehört der Partei seit 2013 an, war Landesvorsitzender der Jungen Alternative, führt den Kreisverband Mainz und kandidierte zuletzt im Bundestagswahlkreis Kaiserslautern. Der Landesparteitag in Bingen dürfte damit zur Richtungsentscheidung für den künftig dominierenden Kurs der AfD in Rheinland-Pfalz werden.

Neuer Hoffnungsträger in der CLL-Therapie: Roche vereinbart Milliardenpartnerschaft mit Nurix

10.06.2026


Roche verstärkt seine Pipeline in der Onkologie mit einem milliardenschweren Lizenz- und Entwicklungspakt. Der Schweizer Pharmakonzern sichert sich gemeinsam mit Nurix Therapeutics die Rechte an Bexobrutideg, einem Wirkstoffkandidaten gegen Blutkrebs. Für die Zusammenarbeit zahlt Roche dem US-Unternehmen zunächst eine Vorabprämie von 700 Millionen Dollar in bar. Erreichen die Partner definierte Entwicklungs-, Zulassungs- und Umsatzziele, kann das Gesamtvolumen der Vereinbarung auf bis zu 2,3 Milliarden Dollar anwachsen. Die Transaktion soll nach Unternehmensangaben im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden.

Im Zentrum der Kooperation steht Bexobrutideg, ein oral verfügbarer Wirkstoff aus der Klasse der sogenannten BTK-Degrader (Bruton-Tyrosinkinase-Degrader). Das Mittel soll im Sommer in die entscheidende Phase-III-Studie zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) eintreten. Bexobrutideg verfolgt einen anderen therapeutischen Ansatz als etablierte BTK-Hemmer: Statt die Aktivität des BTK-Proteins lediglich zu blockieren, soll der Kandidat dieses gezielt abbauen. Damit zielen Roche und Nurix auch auf Patientengruppen ab, deren Erkrankung Resistenzen gegen bestehende Standardtherapien entwickelt hat.

Roche und Nurix planen, Bexobrutideg über die CLL hinaus in weiteren Indikationen zu testen. Geplant sind zusätzliche Studien bei anderen bösartigen Erkrankungen des B-Zell-Systems. Darüber hinaus sehen die Unternehmen Einsatzpotenzial in der Immunologie und Neurologie, etwa bei Multipler Sklerose und chronischer spontaner Urtikaria. Nach Angaben der Partner gehört Bexobrutideg zu einer neuen Generation von Medikamenten, die krankheitsverursachende Proteine gezielt abbauen und damit ein breiteres Wirkspektrum eröffnen sollen.

Finanziell und operativ teilen sich Roche und Nurix die Lasten und Chancen des Programms. Die Entwicklungskosten werden im Verhältnis 60 zu 40 zugunsten von Roche getragen. In den Vereinigten Staaten wollen die Unternehmen Bexobrutideg gemeinsam vermarkten und Gewinne wie Verluste aus dem US-Geschäft jeweils zur Hälfte teilen. Außerhalb der USA übernimmt Roche den Vertrieb in eigener Regie, während Nurix Anspruch auf Lizenzzahlungen erhält. Nurix-Chef Arthur Sands bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Meilenstein, der es dem Unternehmen ermögliche, das Potenzial von Bexobrutideg in Onkologie, Immunologie und Neurologie auszuschöpfen.